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Vielseitigkeit für Einsteiger

Zugegeben: Ich bin selbst kein Vielseitigkeitsreiter wenn man in den Kategorien der Turnierdisziplinen denkt. Ich springe keine Häuser und schon gar nicht in tiefes Wasser. Aber ich reite gerne Dressur, ich springe gerne und ich liebe kurze und lange Spaziergänge und Ausritte. Und trotzdem bzw. gerade deshalb möchte ich  Hans-Peter Scheunemanns Buch zur Lektüre empfehlen! Gleich zu Beginn bezeichnet er das Gelände als „diejenige Ausbildungsstätte (…), in der sich Gleichgewicht und Bewegungsgefühl für Pferd und Reiter am leichtesten entwickeln.“ Und das trifft es einfach auf den Punkt!

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Das Phänomen Francois Baucher: Sein Leben – Seine Lehre – Der Mythos

Geliebt, gehasst, verteufelt. Francois Baucher ist vor allem eins: hochkontrovers diskutiert. Das von Dr. med. vet. Robert Stodulka herausgegebene Buch enthält neben Bauchers „Methode der Reitkunst nach neuen Grundsätzen“ auch Stodulkas „Ein Zweites, sehr ernstes Wort an die Reiter dieser Welt“. Die Übersetzung von Bauchers Originalwerk befasst sich mit dessen erster Methode, für welche Baucher heute am Bekanntesten ist.  Auch wenn dieses an vielen Stellen von Stodulka kommentiert wird ist es für den normalen Freizeitreiter wohl eher nur von historischem Interesse.

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Die klassische Reitkunst von Alois Podhajsky

Wenn es einen Klassiker der Reitlehre gibt ist es wohl Podhajsky. Trotz der Tatsache, dass das Buch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, ist es in weiten Teilen immer noch aktuell. Besonders interessant sind vor allem die Teile II bis IV. Zunächst definiert Podhajsky die aus seiner Sicht wichtigsten Begriffe der Reitkunst, welche essentiell sind um die klassische Reitlehre zu verstehen. Besonders interessant ist es hier die Entwicklung so mancher Fachbegriffe nachzuvollziehen, was es deutlich leichter macht unterschiedliche Verständnisse von Reitkunst nachzuvollziehen.

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Jungpferdeausbildung

Über Galtero und die ersten Schritte des Halftertrainings

Galtero ist jetzt gerade 2,5 Jahre alt geworden. Das erste Jahr seines Lebens hat er in Spanien verbracht, wobei seine Züchter und seine Eltern leider unbekannt sind. Mit 1,5 kam er dann nach Deutschland, wo er jetzt seit einem Jahr in einer 3-er Jungsgruppe im Offenstall aufwächst.

Wenn ich anfange mit jungen Pferden die ersten Dinge im Umgang zu üben, wie eben das Anziehen eines Halfters, brauche ich natürlich immer Geduld und muss mich auch auf etwas überschwänglichere Reaktionen einstellen. Alles ist neu und man kann nicht zwingend davon ausgehen, dass das was beim letzten Mal schon super geklappt hat heute auch kein Problem ist. Das heißt in der Konsequenz, dass man immer bereit ist einen Schritt zurück zu gehen und vor allem, dass man bereit ist, das auch zu tun ohne „sauer zu sein“. Klingt erstmal komisch, aber viele Reiter und Pferdemenschen sind ziemlich schnell frustriert, wenn etwas einmal nicht ganz so gut klappt wie beim letzten Mal. Natürlich ist es schwierig hier seine Emotionen im Griff zu haben, aber insbesondere im Hinblick auf die weitere Ausbildung kann man sich jetzt schonmal darin üben, sich einfach über jeden Erfolg von Herzen zu freuen und wenn man merkt, dass das Pferd zu viel Stress hat ohne gekränkt zu sein, einfach einen Schritt zurück zu gehen und wieder erstmal etwas Leichteres zu üben.

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Psychologie & Mentales Training

Hilfreiche und schädliche Glaubenssätze

„Mein Pferd ist…“

Besonders in den ersten Einheiten mit neuen Reitschülern begegnen mir immer wieder tief sitzende Überzeugungen, die die Eigenschaften des jeweiligen Pferdes aus Sicht des Reiters einordnen.

„Mein Pferd ist faul.“

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Reitlehre

Kritik Video Anreiten Reiter Revue

Kritik zum Video „Junge Pferde ausbilden Teil I der Reiter Revue

-Ein junges Pferd sollte als aller erstes erfahren dürfen, wie es sich unter dem Reiter ausbalancieren kann. So geht das nicht!-

Nachdem ich die ersten Sekunden des Reiter Revue International Videos zum Thema Jungpferdeausbildung (Junge Pferde ausbilden, Teil I) gesehen habe, konnte ich nicht anders als es sofort wegzuklicken. Nach ein paar Tagen habe ich mich nun dazu durchgerungen es mir ganz anzuschauen, weil ich der Meinung bin, dass man so einen Beitrag einer Fachzeitschrift (!) nicht unkommentiert stehen lassen darf. Währenddessen überschlagen sich die Kommentare unter dem Beitrag und schwanken zwischen Empörung und uneingeschränkter Zustimmung. Interessanterweise werden negative Äußerungen sofort als Kommentare von „Wendy-Tussis“ abgetan, als würden sie jeglicher Grundlage entbehren. Der Meinung bin ich absolut nicht!

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Vielseitiges Training

Longieren als Dialog

Bevor ich zu meiner eigentlichen Rezension komme muss ich etwas vorwegnehmen: ich bin nicht ganz unparteiisch. Seit Jahren reite und longiere ich bei Katharina im Unterricht, bin also sicherlich etwas „vorbelastet“. Gleichzeitig habe ich so aber auch einen sehr guten Vergleich, wie gut diese Methode mit unterschiedlichsten Pferden in der Praxis funktioniert und dank dem Erwerb des Deutschen Longierabzeichens Klasse IV und III auch den Vergleich, wie das Ganze z.B. in der etwas konventionelleren Variante aussieht.

Doch nun zum Buch: Im ersten Kapitel geht es zunächst zu den Prinzipien der Hilfengebung. Das schöne ist hier, dass das Konzept auf biomechanischen und lernpsychologischen Grundlagen aufbaut, dh. es ist sowohl bei erfahrenen Reit-/Longierpferden als auch bei Jung- oder Korrekturpferden einsetzbar und funktioniert, wenn der Longenführer die Technik sicher beherrscht und ein ordentliches Maß an Gefühl und Erfahrung mitbringt, ziemlich schnell und problemlos. Natürlich hängt das immer vom Individuum, der Vorgeschichte usw. ab, aber die Art und Logik der Hilfengebung unterstützt das Verständnis beim Pferd maximal und das Risiko für Fehler und Verletzungen (z.B. durch unsachgemäße Anwendung „schwieriger“ Ausbildungsgegenstände) nimmt stark ab. Für den Reiter mag das Ganze zunächst nicht immer leicht sein, je nach dem was man eben zuvor gelernt hat. Der Vorteil ist aber, dass man eben auch sehr viele Dinge lernt und schult, die man direkt mit in den Sattel nehmen kann, das heißt die Arbeit lohnt sich wirklich. Auch für Mensch und Pferd als Paar bringt es einen großen Vorteil, da man ständig übt, noch genauer und feiner zu kommunizieren und das Pferd eine ziemlich große Möglichkeit hat sich auszudrücken, ohne dass dabei der Mensch in „Wohnungsnot“ kommt.

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Psychologie & Mentales Training

Ziele & Selbstwirksamkeit

Ziele Teil I: Erkenntnisse aus der Zielsetzungstheorie und was man daraus mitnehmen kann

Während im Humanbereich schon sehr viel Forschung zur Wirkung von Zielen besteht und vieles schon seit locker 15-20 Jahren als weitestgehend erforscht und etabliert gilt, gibt es noch kaum Übertragungen der Erkenntnisse auf den Reitsport. Im ersten Teil dieser Reihe möchte ich euch die grundlegenden Erkenntnisse und Einflussfaktoren der Zielsetzungstheorie vorstellen, welche wir dann in den Fortsetzungen auf Pferd und Reiter übertragen.

Zunächst lasst uns den „High Performance Zyklus“ von Locke und Latham (2 der renommiertesten Forscher im Bereich Zielforschung) anschauen:

Der Sinn von Zielen ist es, eine innere Spannung zwischen dem aktuellen Status und dem gewünschten Zustand herzustellen. Besonders motivierend sind Ziele dann, wenn sie herausfordernd und konkret sind und bis zu einem sehr hohen Grad wirken diese besser, je schwerer sie sind. Der Effekt von Zielen findet statt, indem diese die vier Mechanismen des Verhaltens beeinflussen: Wahl/ Richtung, Anstrengung, Durchhaltevermögen und Strategie.

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Reitlehre

Vom Umgang mit „Problempferden“

Eine clevere Person löst ein Problem. Eine weise Person vermeidet es. (Albert Einstein)

Wenn es um das Thema „Problempferde“ geht werden oft die dramatischsten Beispiele ausgepackt, Pferde gezeigt, die sich zum 100sten Mal mit voller Wucht von der Longe losreissen oder Reiter, die sich glorreich auf einem bis zur Erschöpfung bockenden Pferd halten und „siegreich“ hervorgehen.

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Reitlehre

Reiten mit feinen Hilfen – ein Mythos?

In letzter Zeit ist der Begriff „feine Hilfen“ immer mehr in aller Munde und wird gefühlt in jedem zweiten Satz öffentlichkeitswirksam versprochen oder zumindest angestrebt. Eine Entwicklung, die eigentlich zu begrüßen ist, auch wenn man sagen muss, dass der Begriff „Hilfe“ per Definition ja den Aspekt der Feinheit eigentlich schon beinhaltet.

Trotzdem muss ich zugeben, dass mir das Ganze immer öfter sauer aufstößt und zwar aus zwei Gründen:

Zum einen ist es der Weg, wie man beim Pferd versucht eine feine und prompte Reaktion zu erreichen. Da wird zusammengeschnürt, an Kandaren gezuppelt oder „touchiert“ (bzw. ziemlich rhythmisch und grob mit der Gerte begleitet). Zumindest eine Kandare und eine Touchierpeitsche können definitiv auch pferdefreundlich eingesetzt werden, dafür braucht es aber ein ordentliches Maß an Fein- und Fingerspitzengefühl und Erfahrung, die eben oft fehlt. Hat man dieses Feingefühl und die notwendige Erfahrung muss man dann auch kaum noch auf Hilfsmittel zurückgreifen oder wenn dann sind sie eine nette Ergänzung, aber eben nicht zwingend notwendig!