Über Galtero und die ersten Schritte des Halftertrainings

Galtero ist jetzt gerade 2,5 Jahre alt geworden. Das erste Jahr seines Lebens hat er in Spanien verbracht, wobei seine Züchter und seine Eltern leider unbekannt sind. Mit 1,5 kam er dann nach Deutschland, wo er jetzt seit einem Jahr in einer 3-er Jungsgruppe im Offenstall aufwächst.

Wenn ich anfange mit jungen Pferden die ersten Dinge im Umgang zu üben, wie eben das Anziehen eines Halfters, brauche ich natürlich immer Geduld und muss mich auch auf etwas überschwänglichere Reaktionen einstellen. Alles ist neu und man kann nicht zwingend davon ausgehen, dass das was beim letzten Mal schon super geklappt hat heute auch kein Problem ist. Das heißt in der Konsequenz, dass man immer bereit ist einen Schritt zurück zu gehen und vor allem, dass man bereit ist, das auch zu tun ohne „sauer zu sein“. Klingt erstmal komisch, aber viele Reiter und Pferdemenschen sind ziemlich schnell frustriert, wenn etwas einmal nicht ganz so gut klappt wie beim letzten Mal. Natürlich ist es schwierig hier seine Emotionen im Griff zu haben, aber insbesondere im Hinblick auf die weitere Ausbildung kann man sich jetzt schonmal darin üben, sich einfach über jeden Erfolg von Herzen zu freuen und wenn man merkt, dass das Pferd zu viel Stress hat ohne gekränkt zu sein, einfach einen Schritt zurück zu gehen und wieder erstmal etwas Leichteres zu üben.

Im Idealfall macht das Pferd dann schon vor den ersten Übungen die tatsächlich mit dem Anreiten oder der direkten Vorbereitung dazu zu tun haben die Erfahrung, dass man immer Rücksicht nimmt und es nie überfordert. Und das zahlt sich wirklich aus! Man kommt ein Pferd, das an das Gute im Menschen glaubt und weiß, dass dieser immer auf seiner Seite steht – und was will man mehr?!

Natürlich ist das Tragen eines Halfters für Galtero nichts komplett Neues. Er kennt das vom Transport, von der Aku und der regelmäßigen Hufbearbeitung. Trotzdem verrät mir sein Gesichtsausdruck, dass er es bis jetzt nicht so toll findet, sondern nur „aushält“. Deshalb möchte ich nochmal in aller Ruhe von vorne anfangen. Am Beispiel Halftertraining mit Galtero bedeutet das, dass ich ihm ganz kleinschrittig erstmal das Halfter zeige, ihn das komische Ding beschnuppern lasse und mit ein paar Leckerlie (ohne Zucker, Honig, Melasse etc.) zeige, dass es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzten. Dabei habe ich tatsächlich keine Erwartung, sondern schaue mir erstmal an, wie er reagiert. Wir sind alleine auf dem ihm bekannten und sicher eingezäunten Reitplatz und seine Kollegen stehen direkt daneben auf ihrem Paddock. Die Grundsituation ist ihm also bekannt und auch absolut nicht gruselig oder aufregend für ihn und es gibt auch nichts was ihn so sehr ablenkt, dass er lieber woanders hingehen würde, da es eben sein gewohntes Umfeld ist. Da er jederzeit gehen könnte und ich seine Körpersprache und seinen Gesichtsausdruck dank Tageslicht super im Blick habe kann ich immer sehen was er von meinem Vorgehen hält und ob das aktuelle Erregungslevel für ihn noch erträglich ist.

 Zunächst gibt es also freiwilliges Halfter Beschnuppern, dann Berühren gegen Keks und schließlich Halfter Aufziehen gegen Keks. Mit jeder Wiederholung wird er entspannter und findet das Spiel eigentlich ganz lohnenswert. Da ich seinem Gesichtsausdruck vom Anfang entnehmen konnte, dass das schon anstrengend für ihn war nehme ich das Führen natürlich noch nicht dazu sondern belasse es bei dem was wir heute gelernt haben. Ich nehme das Halfter ab und beende die Leckerlizufuhr und zum Abschluss kuscheln wir noch ein bisschen. Sein Gesichtsausdruck sagt deutlich „Das war’s schon???“ und man sieht ihm deutlich an, dass er eigentlich gerne weitergemacht hätte wenn es dafür noch mehr Kekse gäbe. Und genau so möchte ich die Einheit beenden!

Die Gewöhnung an Transportgamaschen erfolgt nach dem gleichen Prinzip: beschnuppern, ertasten, erfahren… und das alles mit viel Ruhe & Geduld!

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